
„Ein Durchbruch im Kampf gegen die peinigende Mukoviszidose ist in Tübingen und Essen gelungen“. So titelten am 05.01.2002 zahlreiche Tageszeitungen (z.B. Giessener Anzeiger). „Die am meisten gefürchtete, fast immer tödliche chronische Lungeninfektion durch Pseudomonas-Bakterien kann durch eine frühe konsequente Behandlung mit Antibiotika verhindert werden. Die intravenöse Spritze wird durch Inhalieren ersetzt. Angst vor Nebenwirkungen werden praktisch gegenstandslos, da das Antibiotikum gezielt angewendet wird.“ Und die Inhalation als „moderne Form der Verabreichung“ habe den Vorteil, dass Klinikaufenthalte entfallen würden.
In einer Pressemitteilung kritisierte Frau Dr.Cordula Harter vom Mukoviszidose e.V. die stark verkürzte Widergabe der Studie, dadurch würden bei den Patienten Hoffnungen geweckt, die die Studie bei weitem nicht erfüllen könne. Die Studie hatte geziegt, dass von 15 erstmals mit Pseudomonas besiedelten Patienten nach einjähriger Inhalation von Tobramycin (seit langem Standardtherapie bei Erstbesiedelung von Pseudomonas) bei 14 der Keim nicht mehr nachgewiesen werden konnte. Wie lange die Besiedelung damit verschoben wurde, ist ebensowenig untersucht worden, wie Aussagen über Langzeiteffekte und Nebenwirkungen gemacht werden konnten. Neu war in der Studie, dass nicht nur Sputum untersucht wurde, sondern dass auch keine Antikörper gegen Pseudomonas mehr im Blut der Patienten nachweisbar waren.

Gegen gefährliche grampositive Erreger, wie Vancomycin-resistente Enterokokken oder Methicillin-resistente Stämme des Bakteriums Staphylococcus aureus, stehen demnächst neue Antibiotika zur Verfügung. Keine Entwarnung gibt es hingegen bei gramnegativen Bakterien: "Gegen diese Gruppe von Krankheitserregern haben wir bisher nur sehr wenige wirksame Antibiotika", betont Mikrobiologie-Professor David Livermore in Bild der Wissenschaft vom 21.09.01.

Cipropbay – ein häufig gegen Pseudomonas eingesetztes Antibiotikum des deutschen Chemiekonzerns Bayer, wirkt auch gegen Anthrax (Milzbrand). In Deutschland kostet eine Tablette in der Apotheke ca. 20 DM, die US-Regierung kaufte Cipro bisher für die Behandlung von Mukovizidose-Patienten für 1,83 $ pro Tablette. Doch jetzt möchte man einen Vorrat für Milzbrand-Angriffe anlegen, ca. 100 Mio. Pillen. Obwohl die USA immer das intellektuelle Eigentum beschwören und damit die Patentrechte ihrer Firmen verteidigen, haben selbst konservative Politiker damit gedroht, das Bayer-Patent zu umlaufen und Nachahmerprodukte (Generika) unter Umgehung des Patents zu kaufen. Jetzt hat sich Bayer mit den USA auf die Hälfte des bisherigen Preises geeinigt (Der Landbote, 25.10.01).

Die Mukoviszidose-Ambulanzen Hannover, Magdeburg und Frankfurt verglichen in Med.Klinik 10/99 S. 541 die Kosten für stationäre und häusliche IV-Therapie miteinander. Während Zuhause ca. 19.000 DM anfallen, kostet die stationäre Therapie nur ca. 14.000 DM. Für den großen Unterschied gibt es hauptsächlich zwei Gründe: Zuhause wird das Medikament über teure Pumpinfusionssysteme (Baxter o.ä.) verabreicht, und die Apotheken kassieren kräftig mit: Während die Krankenhausapotheke die reinen Antibiotika für ca. 4000 DM einkaufen kann, rechnet der Apotheker mit der Krankenkasse mangels Wettbewerb ca. 10.000 DM ab, also das 2,5fache. Krankenhäuser können mit den Herstellern die Preise verhandeln, während die Hersteller die Apothekenpreise einseitig festlegen. Dazu kommt ein Apothekenaufschlag von 30%, d.h. dass die Apotheke für die bloße Weitergabe befüllter Systeme 3500 DM erhält. Die Autoren schlagen deshalb vor, Alternativen wie die Weitergabe durch Krankenhausambulanzen zu bedenken.

Ist ambulante IV-Therapie billiger als stationäre? Hier gibt es unterschiedliche Rechnungen. Da die Apotheker bei der ambulanten Therapie kräftig absahnen, ist diese nicht so viel billiger, wie man es vermuten würde. „Gesunde Medizin“ 11/97 berichtet von einer Untersuchung der Forschungsstelle für Gesundheitsökonomie der Universität Hannover. Demnach zahlen die Krankenkassen für eine ambulante Behandlung 35000 DM, für eine stationäre 40000 DM. Berücksichtigt man jedoch die kürzere Krankschreibung (indirekte Kosten), so ist die ambulante Therapie wesentlich „billiger“.

Die Indikation des Antibiotikums Colistin (das bei CF inhaliert wird) ist auf der Internetseite des Instituts für Veterinärpharmakologie in Zürich wie folgt beschrieben: "Darminfektionen durch grammnegative Bakterien beim Schwein, insbesondere E.coli und Salmonellen, Colibacillose und Colienterotoxämie der Ferkel". Empfohlen wird eine Dosierung von 5 kg pro Tonne Futter, das Medikament kann bestellt werden in 5- oder 25-kg-Säcken. (1999)

Tobi, die neue Darreichungsform von 300 mg Tobramycin für die Inhalation, war Gegenstand einer Doppelblindstudie mit insgesamt 520 Mukoviszidose-Patienten, die jeweils 4 Wochen inhalierten und dann 4 Wochen Pause machten. Der FEV1-Wert war nach 20 Wochen bei den behandelten Patienten um 10 % gestiegen, bei der Placebo.Gruppe hingegen um 2 % gefallen, wie Ärztliche Praxis Nr. 18/99 vom 02.03.99 berichtet. Die Tage mit stationärer Behandlung reduzierten sich im Durchschnitt um ein Viertel. Dr.Manfred Ballmann von der CF-Ambulanz der Medizinischen Hochschule Hannover weist in der Ärztezeitung 18/99 vom 01.02.99 darauf hin, daß Tobi evtl. die regelmäßigen IV-Therapien gegen Pseudomonas ersetzen könne. Auf alle Fälle sei es notwendig, bereits bei einem Erstnachweis der Bakterien im Sputum mit einer Antibiotikatherapie zu beginnen - auch wenn die Keime noch keine Symptome ausgelöst hätten. Die Ärzte-Zeitung 27/99 vom 12.02.99 ergänzt, daß lt.Dr. Bruce Montgomery aus Seattle/USA die positiven Auswirkungen auch 18 Monate nach Therapiebeginn noch nachweisbar waren. Die Konzentration an Tobramycin, die notwendig ist, um Pseudomonas abzutöten (MHK), habe sich über den Zeitraum etwas erhöht, was aber keine Aussage über die weitere Wirksamkeit zuläßt.

Auf der 24.Europäischen CF-Konferenz im Juni 2001 in Wien wurde kritisiert, dass für ein Konsens-Papier zur Pseudomonas-Therapie die Kriterien der „auf Beweisen beruhenden Medizin“ nicht angewandt wurden. In dem Papier werden die Tobi-Inhalation und 3-4mal jährliche IV-Therapien als Alternativen genannt, obwohl zu der IV-Strategie keine Daten vorlägen.

Le Brun aus Den Haag stellte auf der 24.Europäischen CF-Konferenz im Juni 2001 in Wien einen Trockenpulverinhalator zur Freisetzung einer Einzeldosis von 25 mg Colistin vor, für manchen Patienten evtl. eine willkommene Alternative zur Verneblerinhalation von Colistin.